Ute Luhmann
Ausbildung von Blindenführhunden
und Schulungen für Führhundhalter

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Erwartungen, Möglichkeiten, Grenzen

Was erwartet den zukünftigen Führhundhalter?
Welche Möglichkeiten und Grenzen gibt es?

Der Blindenführhund ist ein ganz besonderes Hilfsmittel: Kein Führhund ist wie ein anderer, sogar derselbe Hund reagiert und arbeitet unterschiedlich bei verschiedenen Personen und Situationen. Im Vergleich zu anderen Hilfsmitteln ist er ausgesprochen anspruchsvoll in der „Wartung“ und seine Zuverlässigkeit ist stark von der richtigen Handhabung abhängig (das mag er mit anderen Hilfsmitteln gemeinsam haben) und Schwankungen unterworfen. Selbst die Stimmung des Blindenführhundhalters kann sich auf die Leistung des Hundes positiv oder negativ auswirken. Zudem hat er ein Eigenleben, bei dem er seine arteigenen Interessen verfolgt. Je mehr der Halter die hundlichen Spielregeln ignoriert oder verletzt, um so weniger wird der Hund seine ihm zugedachte Aufgabe richtig erfüllen. Da nutzt die ganze Führhundausbildung nichts: er ist und bleibt ein Hund! Durch den Titel „Blindenführhund“ ändert sich nichts, außer den Fähigkeiten, die er in Verbindung mit dem Führgeschirr erlernt hat.

Auf der anderen Seite ist auch der Blindenführhundhalter ein ganz normaler Hundehalter und begeht dieselben Fehler und Irrtümer, wie andere Hundebesitzer auch, jedoch mit dem Nachteil, nicht zu sehen, was der vierbeinige Freund da gerade treibt. Auch auf den unter Hunden wichtigen Augenkontakt müssen sehbehinderte Hundehalter meistens verzichten. Was man als Mensch im Umgang mit dem Hund alles falsch machen kann und welche Resultate dabei möglich sind, läßt sich ein wenig an der wachsenden Zahl der Hundebücher, Hundeschulen und Erziehungshilfsmittel messen. Ich habe oft den Eindruck, daß die Menschen bereit sind, Zeit und Geld zu investieren, damit der Hund nach ihren Wünschen „funktioniert“, aber nur wenig an sich selbst, ihren Ansichten oder ihrer Beziehung zum Hund ändern wollen. Und ebenso wie unter sehenden Hundehaltern gibt es auch bei Führhundhaltern solche, die erfolgreicher sind mit ihrem Hund, als andere.

Diese Gedanken vorab sollen nicht abschrecken, sondern nur darauf hinweisen, daß man sich mit der Entscheidung für einen Blindenführhund eine umfangreiche Aufgabe „ans Bein bindet“, die besonders am Anfang der Mensch-Hund-Beziehung eine Menge zu lernen, umzudenken und Aktivitäten vom Blindenführhundhalter selbst verlangt. Dazu kommt, daß Schwierigkeiten nicht umgangen werden dürfen, sondern erst recht angegangen und gelöst werden müssen. Dieser Aufwand an Zeit und Nerven ist nicht zu unterschätzen und er nimmt nur ab, wenn an der erfolgreichen Zusammenarbeit konsequent gearbeitet wird. Das kann leider nicht durch Diskussionen mit dem Hund erreicht werden. Bestechungen mit Leckerchen oder Streicheleinheiten helfen da auch nur kurzzeitig. Ein lauter, barscher Umgangston ist jedoch ebenfalls der falsche Weg. Wenn ein Hund nicht hört, hat das nur selten mit einem akustischen Problem zu tun.

Zum Glück ist der Führhund bei der Übergabe ein fertig ausgebildeter und disziplinierter Hund und bei der intensiven Zusammenarbeit mit dem Trainer während des Einarbeitslehrganges sollten außer den verschiedenen Hörzeichen noch die oben erwähnten „hundlichen Spielregeln“ vermittelt werden. Hat man diese verstanden und kann sie auch umsetzen, ist die größte Hürde genommen.

Als Beispiel ein Vergleich: Hunde untereinander schaffen es meistens, ihre Beziehung in den ersten Minuten ihrer ersten Begegnung zu klären. Menschen dagegen beobachten, testen, wägen ab, verhandeln und diskutieren über einen wesentlich längeren Zeitraum, in dem sie sich oft zurückhaltend zeigen. Einem Hund fehlt das Verständnis, warum der Mensch so auftritt. Ihm signalisiert dieses Verhalten nur: hier ist jemand sehr freundlich, scheint mir aber gleichwertig oder unterlegen zu sein! Das erste Mißverständnis ist da ...

Aber wenn die Kommunikation zwischen Hund und Halter erst einmal richtig hergestellt ist, bietet das Hilfsmittel Blindenführhund viele Vorteile:

  • Der Hund ist in der Lage, auch auf ihm unbekannten Strecken den optimalen Weg zu einem bekannten Ziel (dieses können auch Orientierungsziele, wie Treppen, Ampeln, Bänke usw. sein) zu finden.
  • Die Führung des Hundes erlaubt ein flüssiges, relativ gleichmäßiges Laufen, auch auf mit Hindernissen versperrten Wegen.
  • Das Überqueren von großen, weiten Plätzen oder Erreichen von Zielen auf solchen Flächen ist mit Hilfe des Hundes leichter zu bewältigen.
  • Bei einem gut zusammenarbeitenden Gespann führt der Hund zuverlässiger und aufmerksamer, als dieses menschliche Führer manchmal tun.
  • Der Führhund steht normaler Weise immer freudig zur Verfügung, menschliche Unterstützung oft nur zeitlich begrenzt und aus Pflichtgefühl oder Hilfsbereitschaft.

Dazu kommen die positiven Nebenerscheinungen, wie regelmäßige Bewegung im Freien und viele neue Kontakte zu anderen Menschen. Durch den Hund überwinden viele Sehende ihre Hemmungen, einen nicht-sehenden Menschen anzusprechen, da ja ein neutraler und überaus interessanter Gesprächsstoff (der Hund!) gegeben ist. Allerdings gibt es auch Zeitgenossen, die wenig Gefallen an Hunden allgemein haben, und dieses auch den Blindenführhundhalter spüren lassen. Zum Glück ist das die Minderheit.

Ein Blindenführhund vermag nicht, eine generelle Orientierungslosigkeit im Straßenverkehr auszugleichen. Wer nicht weiß, wo er sich befindet und welche Richtung er einschlagen muß, wird mit dem Hund größere Schwierigkeiten bekommen, als vorher.

Der Führhund wird auch kaum oder nur unzuverlässig für einen Menschen arbeiten, der ihn nur benutzt, die Pflichten rund um den Hund, wie Spaziergänge mit Freilauf und Spiel, Fütterung, Fellpflege und Tierarztbesuche aber anderen überläßt.

Foto: Schild Rundweg 30 Minuten

 

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Letzte Aktualisierung auf der Website am 27. April 2012